Technik - Wo bleibt die Toleranz?

 (Veröffentlicht November 2019)

 

als Consultant (Beraterin) im Datenschutz und IT Sicherheit treffe ich immer wieder auf zahlreiche Menschen, die sich mit der vielfältigen und manchmal auch verwirrenden Technik von heute auseinandersetzen müssen. Die Technologien in den Rubriken Computer, Smartphone und Smart Home schreitet immer weiter voran und es ist kaum noch möglich mit der Entwicklung Schritt zu halten, selbst als Experten nicht. Aber jeder von uns hat diese Entwicklung gewollt.

8 von 10 Menschen in Deutschland besitzen ein Smartphone und in 9 von 10 Haushalten steht ein Computer.

Alle möchten die Annehmlichkeiten eines PCs oder Smartphones nutzen, sei es, um im Internet etwas zu recherchieren, Unterhaltungs-Apps zu konsumieren, kleinen Helferlein für Termine oder zum Einkaufen zu nutzen oder einfach zur Kommunikation. Wir haben mittlerweile erkannt, dass wir durch die Technik

Es wurde kein Alt-Text für dieses Bild angegeben.

Zeit, Geld oder Wege sparen und uns auf einem ganz besonderen Niveau unterhalten lassen können. Aber wie sieht es aus, wenn irgendwo in diesem Technikwahnsinn irgendetwas mal nicht funktioniert? Das Telefon ist ausgefallen, weil die Internetverbindung deaktiviert ist. Die Internetverbindung ist deaktiviert, weil vielleicht der Router ein Update bekommen hat. Der Drucker hängt im Menü fest, das Smartphone liefert keine Benachrichtigungen, im Browser sind wieder alle Favoriten gelöscht, die Smartwatch lässt sich nicht synchronisieren, das Licht spielt verrückt, obwohl Alexa das Licht eigentlich nur dimmen sollte. Der Frust ist sofort da und der Übeltäter „Technik“ ist schnell gefunden. Wo bleibt da die Toleranz? Alles muss immer sofort und problemlos funktionieren.

Aber wehe nicht. Als Beraterin ist es mir dann immer ein Anliegen dem Kunden verständlich zu machen, dass das Wunderwerk Technik eine komplizierte Apparatur ist. Wie viele kleine Zahnräder in einem Uhrwerk funktionieren die einzelnen Prozessoren, Schaltkreise und Chips in einem Computer oder anderen Geräten. Das funktioniert natürlich alles in Bruchteilen von Sekunden. Und wenn einer dieser Schaltkreise „schläft“, also der Befehlt zu spät kommt, zu langsam verarbeitet wird oder hängen bleibt, dann entsteht ein Dominoeffekt. Beim Nutzer kommt dann nicht das gewünschte Ergebnis an. Die Technik funktioniert nicht

„Mal wieder nicht“, heißt es so häufig.

Mit jeder weiteren Entwicklung in der Technik wird das Gebilde an Bauteilen und Prozessen immer detaillierter, komplexer und damit auch anfälliger für „Fehler“. Das sollten die Nutzer bedenken und sich vielleicht auch hier etwas in Toleranz üben. Weil es eben um Technik geht wird hier immer Perfektion verlangt, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, wie hoch Komplex das vorliegende Gerät aufgebaut ist. Letztlich müsste man eigentlich meinen, es ist überhaupt ein Wunder, dass das Gerät so funktioniert wie es häufig funktioniert. Bei der riesigen Anzahl an Möglichkeiten, dass auch nur einer der vielen Prozesse ein Problem verursacht, ist es schier ein Wunder, dass es häufig reibungslos funktioniert. Letztlich wäre es so, als ob wir einen Kunden durch ein Minenfeld jagen würden und wenn er heil ankommt wird das als selbstverständlich abgetan. Kommt er aber nicht unversehrt durch das Feld, dann wird die gesamte Menschheit sofort verurteilt.

Als Berater und IT Dienstleister wünschen wir uns ein bisschen mehr Einsicht und Toleranz und vielleicht auch mal die Mühe sich ein gewisses Grundverständnis in die Funktionsweise eines PCs anzueignen und erst dann die Technik zu verurteilen.

 

 

DATENSCHUTZ   - der Feind in meinem Unternehmen

(Veröffentlicht März 2019)

 

Viele Forderungen aus dem neuen Datenschutzgesetz (DSGVO & Co.) stoßen auf große,
zum Teil unüberwindbare, Hindernisse. Wir kennen Sie alle!
Hier ein paar skurrile Probleme aus dem Datenschutzalltag.Datenschutzbeauftragte Hassfurt

Geschäftliche Blogger auf Social-Media Plattformen müssten neben dem Impressum nun auch
Datenschutzhinweise veröffentlichen. Einige Social-Media Anbieter haben dafür
gar keine Einstellungsmöglichkeit. Wieso nicht? Weil die Produkte in den USA entwickelt
wurden und es dort keine solchen Verpflichtungen gibt.

Vereine müssen den neuen Mitgliedern Informationspflichten aushändigen und ebenfalls
ihre Webseiten nach den DSGVO Anforderungen überarbeiten. Die meisten Vereine werden
von ehrenamtlichen Mitgliedern verwaltet. Die Verantwortung muss hier also ein Laie übernehmen. 

Emojis in Kommentaren auf Webseiten oder Sozialen Netzwerken machen Ärger, weil sie von fremden
Datenbanken abgerufen werden müssen und dort die IP-Adresse des Rechners hinterlassen.

Die Entscheidung über den Button „gefällt mir“ von z.B. Facebook, Pinterest, YouTube usw. steht ebenfalls noch aus.
Hier muss der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob dieser Link rechtkonform genutzt werden kann.

Wieso das alles? Weil alle diese Features „nach Hause telefonieren“. Das heißt, die gesammelten
personenbezogenen Daten werden im Hintergrund an den Anbieter gesendet, meist ohne Wissen des Benutzers.
Diese Anbieter sitzen dann entweder außerhalb der EU, was ein neues Problem aus Datenschutzsicht aufwirft, oder die
Anbieter haben kein Recht die empfangenen Daten zu verarbeiten. Datenschutzfreundliche Lösungen wäre hier eine
aufwendige Einwilligung jedes Nutzers.

Und wenn das alles nicht genug wäre. 2019 soll nun endlich die E-Privacy Verordnung in Kraft treten.
Hier kommt also noch ein Gesetz, was sich mit dem Thema Datenschutz auseinander setzt, allerding mit dem Schwerpunkt
für Internetdienste und Internethandel (E-Commerce). Aber auch hier wird es wieder die „Kleinen“ hart treffen. Angefangen
bei den Webseiten von Vereinen bis hin zum Onlineshop. Die bisherigen Cookie-Banner, die wie wild auf sämtlichen
Internetseiten am unteren Rand „aufbloppen“  müssen wieder überarbeitet werden.
Aber zum Glück wird 2020 im europäischen Parlament ein Zwischenfazit über die Umsetzung und deren Probleme
gezogen und eventuell „verschlimmbessert“.

Und Wieso das Ganze?

Böse Zungen behaupten, um wieder Geld in Deutsche Kassen zu spülen.  Aber Hintergrund war tatsächlich zum Teil die
„Snowden-Enthüllung“. Den Politikern in der EU wurde endlich klar, dass die gesammelten Daten auf der ganzen weiten
Welt auch irgendwann gegen jeden einzelnen verwendet werden können. Diese Problematik wurde langsam, sehr langsam,
erkannt. Davon hat sich auch Amazon inspirieren lassen und die politisch aktuelle Serie „Wanted“ veröffentlicht.
Das Irrwitzige dabei ist aber, dass auch Amazon ein großer Datensammler ist.
Tatsache ist, alle persönlichen Daten eines jeden Einzelnen Bürgers sind wertvoll und werden auf Schwarzmärkten im
Internet für viel Geld verkauft. Wieso wohl? 
Bestimmt nicht, um Ihnen zum Valentinstag einen schönen Strauß Rosen in ihrer Lieblingsfarbe zukommen zu lassen.

Fakt ist, es wird nie langweilig im Datenschutzdschungel. Ich habe mir diesen Feind zum Freund gemacht.
Und das macht meinen Job als Datenschutz Beraterin so spannend.